rz 25.08.2000


 

Alte Klänge – Neue Begegnungen

Vokalmusik deutscher und italienischer Komponisten aus drei Jahrhunderten

26. August 2000

Elisabethkirche Recklinghausen

Coro Polifonico Orpheus
italienische geistliche Musik des 16. und 17. Jahrhunderts

Hodie nobis caelorum rex  //  Giuseppe Ottavio Pitoni (1657 – 1743)
O magnum mysterium //  Pomponio Nenna (1556 – 1618)
Christus factus est Giuseppe  //  Ottavio Pitoni (1657 – 1743)
Crucifixus  //  Antonio Lotti (1667 – 1740)
Confirma hoc Deus  //  Pompeo Cannicciari (gest. 1744)

Doppelchor mit Basso Continuo
Beatus vir  //  Antonio Lotti (1667 – 1740)

Madrigalchor Recklinghausen
geistliche Musik der Romantik des 18. Jahrhunderts

Der englische Gruß  //  Johannes Brahms (1833 – 1897)
Herr auf Dich traue ich  //  Otto Nicolai (1810 – 1849)
achtstimmiger Chor mit Solostimmen

Abendlied  //  Josef Rheinberger (1839 – 1901)
Herr, schicke was Du willt  //  Max Bruch (1838 – 1920)
Doppelchor

Ich aber bin elend  //  Johannes Brahms (1833 – 1897)
Doppelchor

Warum toben die Heiden  //  Felix Mendelssohn Bartholdy (1809 – 1847)
Doppelchor mit Solostimmen

Morgengesang  //  Max Reger (1873 – 1847) Nachtlied

Coro Polifonico Orpheus und Madrigalchor Recklinghausen

Ave Maria  //  Anton Bruckner (1824 – 1896)
achtstimmiger Chor

Denn er hat seinen Engeln befohlen  //  Felix Mendelssohn Bartholdy (1809 – 1847)
Doppelchor


coromadrigal


  • Recklinghäuser Zeitung, 29.08.2000

Die Freude am Chorgesang verbindet

ST.ELISABETH. Madrigalchor und Coro Polifonico Orpheus aus Rieti in Italien gestalten gemeinsam herausragendes Konzert

Geistliche Chormusik des 17. Und 18. Jahrhunderts und Lieder der Romantik standen auf dem Programm eines Konzerts, zu dem der Madrigalchor Recklinghausen in die St. Elisabeth-Kirche geladen hatte.

Von Brunhild Schmelting

Doch an diesem Abend stellte das Kammerensemble nicht allein sein Können unter Beweis; es wurde stimmschön unterstützt von 32 Sängerinnen und Sängern des „Coro Polifonico Orpheus“ aus Rieti, Italien. Ein Ensemble, das auf Initiative seines Leiters Angelo Fusacchia 1991 gegründet wurde. Sein besonderes Interesse gilt der geistlichen Musik des 18. Jahrhunderts und der Wiederentdeckung des Guiseppe Ottavio Pitoni (1637-1743), eines Komponisten aus Rieti, dessen Werke bisher größtenteils unveröffentlicht blieben.

Miteinander bekannt wurden beide Vokalensembles durch private Verbindungen zweier Chormitglieder aus Rieti und Marl. Die Kontakte vertieften sich, und Anfang Juni dieses Jahres reisten die Mitglieder des Madrigalchors auf Einladung des Coro Polifonico Orpheus für eine Woche nach Rieti, wo sie von den italienischen Sängerinnen und Sängern sehr gastfreundlich aufgenommen wurden.

Nun bot ein Gegenbesuch in Recklinghausen neben der Vertiefung freundschaftlicher Kontakte auch Anlass, die verbindende Freude am Chorgesang in einem gemeinsamen Konzert zu mainifestieren.

Und es wurde ein glänzender Abend. Mit Werken von Guiseppe Ottavio Pitoni, Pomponio Nenna, Antonio Lotti und Pompeo Cannicciari bewies der Coro Polifonico Orpheus Stimmschönheit, Sensibilität und Harmonie des Klangbildes, an der Orgel einfühlsam begleitet von Ornelia Bucchignani.

Und auch der Madrigalchor bestach durch einen Vortrag, der stimmlich ausgewogen und äußerst differenziert die Erlesenheit der Werke von Brahms, Nicolai, Bruch und Rheinberger herausarbeitete.

Hier setzte Lucius Rühl, der erst vor einigen Monaten die künstlerische Leitung des Ensembles übernommen hatte, durch eine inspirierende Impulsgebung deutliche Zeichen.

Zum Abschluss des Konzerts waren beide Chöre mit einer äußerst intensiven Gestaltung von Anton Bruckners „Ave Maria“ und Felix Mendelssohn Bartholdys „Denn er hat seinen Engeln befohlen“ zu hören. Lebhafter Beifall belohnte die Sängerinnen und Sänger für ihren begeisternden Vortrag.

Beobachtung am Rande: Wolfgang Rusch, langjähriger ehemaliger Leiter des Madrigalchors, hatte sich unter die Sänger gemischt. Der von der UN/OSZE mit dem Wiederaufbau der öffentlichen Verwaltung im Kosovo beauftragte Jurist hatte eigens Urlaub genommen, um das Konzert des Madrigalchors unter dem Dirigat seines Nachfolgers miterleben und -gestalten zu können. Eine schöne Geste freundschaftlicher Verbundenheit!

 

  • WAZ, 29.08.2000

Konzert streut Perlen der Chormusik

Rieti-Chor zu Gast beim Madrigalchor

Übers Internet knüpften sie den ersten Kontakt. Die Verbindung zwischen Madrigalchor und dem Coro Polifonico Orpheus aus dem italienischen Rieti feierte am Samstag einen musikalischen Höhepunkt.

Erst vor wenigen Wochen kehrten die Recklinghäuser von ihrem ersten Besuch beim italienischen Partnerchor zurück. Jetzt statteten die Sängerinnen und Sänger aus Rieti dem Vest eine Visite ab. Beim gemeinsamen Konzert in der Elisabeth-Kirche gingen die Chöre unter dem Motto „Alte Musik – Neue Begegnungen“ auf eine spannende Reise in die Geschichte der Chormusik.

Im Programm mit Werken italienischer Barockkomponisten und deutschen Tondichtungen aus dem 19. Jahrhundert zeigte jedes Ensemble künstlerisch reifes Profil. Gemeinsames Singen stand am Ende des kontrastreichen Chorreigens.

Der erste Teil des Konzerts, gestaltet von den Gästen aus Rieti, galt den italienischen Tondichtern des 17. und 18. Jahrhunderts. Geistliche Musik gehört zu den musikalischen Schwerpunktthemen des Vokalensembles unter Leitung von Angelo Fusacchia. Der Chor überzeugte durch innig-lyrische Färbung und filigraner A-Capella-Kunst. Anrührend geriet da ein „O magnum mysterium“ von Pomponio Nenna, feinnervig ließ das Ensemble als Doppelchor das aus dem Domkapitel zu Rieti stammende Bekenntnis „Confirma hoc Deus“ leuchten.

Für Lucius Rühl, den neuen Dirigenten des Madrigalchors, war die Aufführung auch das Konzertdebut mit dem Recklinghäuser Ensemble. Als guter Griff erwies sich die Auswahl des Programms mit romantischem Schwerpunkt. In Werken wie Otto Nicolais „Herr, auf Dich traue ich“ gefiel der Chor durch komplexe Gestaltungsfähigkeit. Gerade hier zeigte sich aber auch, dass der Madrigalchor über einige besonders schöne Solostimmen verfügt. Beim Neubeginn mit dem jugen Chorleiter begeisterten die Recklingäuser durch sensible Stimmgestaltung und penible Präzision.

Das Finale krönten die beiden Chöre gemeinsam unter Leitung von Lucius Rühl mit zwei Perlen der geistlichen Chormusik. Anton Bruckners „Ave Maria“ für acht-stimmigen Chor gelang mit eindrucksvoller Eleganz – gerade so, als sei hier ein jahrelang zusammengewachsenes Ensemble zu hören. Innig-strahlender Abschluss war der Doppelchor „Denn er hat seinen Engeln befohlen“ von Felix Mendelssohn Bartholdy.  (Mö)