Das Oratorium „Das Paradies und die Peri“ von R. Schumann  wurde in Zusammenarbeit mit der Diepholzer Kantorei sowohl in Recklinghausen als auch in Diepholz aufgeführt.

 

paradies und peri-plakat

WAZ, 11.12.2006

Himmlischer Gesang

Verdienter Beifall. Mit dramatischer Wucht und lyrischer Finesse interpretierte der Madrigalchor, verstärkt durch die Diepholzer Kantorei, Robert Schumanns weltliches Oratorium.

Von Elisabeth Höving

Wenn ein Engel aus dem Paradies verstoßen wurde, hat er ein echtes Problem. Die gefiederten Kollegen hinter der Himmelstür nämlich verlangen eine ganz außergewöhnliche irdische Gabe, bevor sie den Gefallenen wieder hineinlassen. Die Not des gefallenen Engels Peri besingt der Romantiker Robert Schumann in seinem weltlichen Oratorium „Das Paradies und die Peri“.

Das nur sehr selten aufgeführte Werk wählte der Madrigalchor Recklinghausen für sein Konzert am Samstag Abend in der gut besuchten Christuskirche. Verstärkt durch die Diepholzer Kantorei und begleitet von der Neuen Philharmonie Westfalen, unterstützt von einem ausgezeichneten Solistenquartett, erklang das Werk wie eine riesige, lyrische Ballade.

Unter der Leitung von Lucius Rühl kamen vor allem Orchester und Solisten eine tragende Rolle zu. Gemeinsam mit den dramatisch agierenden Chören formte Rühl eine bezwingende musikalische Einheit, die auf der Grundlage einer rührend sentimentalen, exotischen Geschichte zwischen schlichter Melodie und höchster Dramatik changierte.

Die Sprache des Librettos, von Robert Schumann nach einer indischen Erzählung geschrieben und von Nationalsozialisten missbraucht, ist heute mehr als gewöhnungsbedürftig (Kostprobe: „Denn heilig ist das Blut, für die Freiheit verspritzt vom Heldenmut“). Die ausgezeichneten Sänger aber ließen über weite Strecken die betulichen Verse einfach vergessen. Denn die vielschichtig strukturierte Schumannsche Musik lohnt allemal eine Aufführung der „Peri“.

Die Neue Philharmonie Westfalen unterstrich den liedhaften, lyrischen Charakter des weltlichen Oratoriums mit orientalischem Anstrich farbig, transparent und präzise. Mechthild Bach verlieh mit klarem, geschmeidigen Sopran der armen Peri Stimme. Sicher und klangschön auch Sibylle Fischer (Alt), Jan Kobow (Tenor) und Reinhold Schreyer-Morlock (Bass). Besonders klangschön gelang das Solistenquartett, das im ersten Teil den Reiz des Landes besang.

Neben feinnervigen lyrischen Partien bleibt sicherlich das strahlende Erlösungsfinale dieses außergewöhnlichen Abends im Gedächtnis, wenn Orchester, Chor und Solisten vielstimmig über den Einzug ins Paradies jubeln.

 

Diepholzer Kreisblatt, 12.12.2006

 

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