Aus Anlass des 85. Geburtstages des Madrigalchores Recklinghausen wurde der „Elias“ von Felix Mendelssohn Batholdy zusammen mit dem Figuralchor Düsseldorf sowohl in Düsseldorf als auch in Recklinghausen aufgeführt.

 

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1. Konzert am 11. September 2005  –  Düsseldorf, Johanneskirche

Ausführende

Gesche Bauer – Sopran / Esther Heck – Alt (Mezzosopran) / Hans Josef Ritzerfeld – Tenor / Stefan Adam – Bass

Katharina Georg – 2. Sopran/ 1. Alt (Terzett/Quartett)  /  Ingrid Keisers – 2. Sopran (Quartett)

Madrigalchor Recklinghausen / Einstudierung: Lucius Rühl

Figuralchor Düsseldorf und sein erweitertes Bach-Collegium

Leitung: Jürgen Schmeer

 

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Rheinische Post, 13.09.2005

Elias kraftvoll

Von Alexander Nitzberg

Der „Elias“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy wird nicht oft aufgeführt. Allein deshalb gebührt Jürgen Schmeer das Verdienst, dieses Spätwerk des Komponisten in der Johanneskirche hörbar gemacht zu haben. In einer großen Besetzung: mit dem Madrigalchor Recklinghausen, dem Figuralchor Düsseldorf und seinem erweiterten Bach-Collegium. Das Oratorium, das keine opernhaften Gesten scheut, behandelt Szenen aus dem Leben des Propheten Elias in dessen Kampf um die abtrünnig gewordenen Kinder Israels, die zwischen Zweifel und Glauben hin und her gerissen werden.

Schmeer hielt die gigantische Maschinerie kraftvoll in der Hand. Bis auf einige wenige Unsauberkeiten beim Unisono präsentierte sich der Chor von der virtuosen Seite. Die zahlreichen Fugeneinsätze waren stets gut akzentuiert, und niemals kam es zu einem Klangbrei. Auch die Solisten waren vom Feinsten: klare, unmanierierte Stimmen, sehr präsent, aber sich dennoch nie in den Vordergrund drängend.


2. Konzert am 23. Oktober 2005  –  Recklinghausen, Liebfrauenkirche

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WAZ, 25.10.2005

Prächtiges Geburtstagsfest für Madrigalchor

„Elias“ in der Liebfrauenkirche: imposant inszeniert, feine Klangkultur

Von Martina Möller

Im Schlusschor brach sich die wahre Erkenntnis in herrlich strahlenden Chormelodien ,bahn und ein festliches Oratorium klang in üppigem Jubel aus. Der Madrigalchor feierte am Sonntag mit der Aufführung des „Elias“ in der Liebfrauenkirche sein 85-jähriges Bestehen. Es wurde ein prächtiges Geburtstagsfest.

Mendelssohns Komposition über den Propheten Elias, ein Werk von aufwühlender Dramatik und innigster Frömmigkeit, würdig zu inszenieren hatten sich die Recklinghäuser Sänger mit dem Figuralchor aus Düsseldorf verstärkt. 126 Mitwirkende sorgten in der Liebfrauenkirche für eine beeindruckende Aufführung.

Der Chorgemeinschaft gelang eine wirklich imposante Inszenierung, die dabei nie die feine Klangkultur vernachlässigte. Unter Leitung von Lucius Rühl zeigte sich das Ensemble stets präsent, konzentriert und in geschmeidiger Homogenität vereint. Voller Hingabe und Leidenschaft, mit großer Präzision entwarfen die die Sängerinnen und Sänger ein musikalisches Gemälde voll düsterer Spannung und lichtem Glanz, in dem Volkes Seele brodelt und Engel in lieblichsten Tönen trösten.

Dass die üppige Klangpracht ihre charakterstarken Akzente bekam, war neben dem engagiert aufspielenden Musikern der Neuen Philharmonie Westfalen auch den glänzenden Solisten zu vedanken. Bariton Reinhold Schreyer-Morlock war ein Elias von stählerner Kraft und präsentierte sich als mutiger Streiter. Anna Haase (Alt) imponierte mit lyrischer Feinheit im Doppelquartett der Engel und gab der Königin furiose Qualiäten. Mirjam Hardenberg und Cornelia Samuelis (Sopran) mit transparenter Leichtigkeit. Tenor Jörg Nitschke gab den König Ahab in fein nuancierter Leichtigkeit, Obadjah, den Verbündeten des Elias als besonnenen Mahner.

So wurde die Liebfrauenkirche in beseelte Harmonien, bedrohliche Spannung und majestätische Klangewalt getaucht. Ein sinfonisches Chorspektakel von großer Qualität, für das Lucius Rühl und das gesamte Ensemble am Ende begeistert gefeiert wurden.

elias_2005 (10)Foto: Josef Bulizek

Recklinghäuser Zeitung, 25. 10. 2005

Madrigalchor lässt „Elias“ strahlen

LIEBFRAUENKIRCHE: Viel Beifall für ausdrucksstarkes Konzert

Anders als beim „Paulus“ setzt Felix Mendelssohn Bartholdy bei seinem Oratorium „Elias“ nicht auf die Gestaltung eines in christlichem Sinne beispielhaften Lebenslaufs, sondern rückt die Darstellung dramatisch bewegter Situationen, die ein Bild des alttestamentlichen Helden zeichnen, in den Vordergrund.

VON BRUNHILD SCHMELTING

Ein strahlender Elias, der den Regen auf das verdorrte Land herabzwingt und über den Götzendienst des Baal triumphiert, aber auch ein resignierender Elias, der in die Wüste flieht und zu sterben wünscht. Ein charismatischer Prophet, schließlich in feurigem Wagen zum Himmel auffahrend.

Im Mai 1846 schrieb Mendelssohn an die befreundete Jenny Lind, für deren schöne Stimme er den Sopran-Solopart des „Elias“ verfasst hatte: „Wenn dieses Oratorium auch nur halb so gut ausfällt, werde ich sehr glücklich sein!“ Und die Uraufführung am 26. August desselben Jähres in Birmingham gestaltete sich denn auch zu einem sensationellen Erfolg.

„Elias“, dieses gewaltige Klanggemälde in lichten und dunklen Farben, war nun in der Liebfrauenkirche zu hören, sehr beeindruckend gestaltet von Vokalsolisten, Mitgliedern der Neuen Philharmonie Westfalen und dem Madrigalchor Recklinghausen, der durch den Figuralchor Düsseldorf verstärkt wurde. Die Gesamtleitung lag in den Händen von Lucius Rühl, der das musikalische Geschehen inspirierend und äußerst prägnant steuerte.

Und das Publikum folgte fasziniert dem Vortrag des Chors, der hier expressiv und stets subtil vom Orchester begleitet, der Angst und Verzweiflung, aber auch dem Triumph eine eindringliche Stimme gab. Ein Gesang, der selbst schwierigste Passagen souverän meisterte.

Sehr ausdrucksstark und stimmsicher erwies sich Reinhold Schreyer-Morlock (Bariton). Ob er nun in der Rolle des Elias die Priester des Baal verspottete („Rufet lauter“) oder den Herrn anflehte, es endlich regnen zu lassen, stets wusste er den Gehalt der Rezitative und Arien deutlich herauszuarbeiten. Auch die weiteren Solisten, Cornelia Samuelis (Sopran), Mirjam Hardenberg (Sopran), Anna Haase (Alt) und Jörg Nitschke (Tenor) bestachen durch stimmliche Intensität und Vielschichtigkeit des Vortrags. Eine geschlossen und sehr differenziert gestaltete Aufführung, die das Publikum mit viel Applaus feierte