Chormusik der Romantik im Herbstkonzert 2011

Der Titel des Konzertes, „Du höchstes Licht“, stammt aus dem Morgengesang von Johannes Zwick (1496-1542), den Reger in seinem Opus 138 vertont hat, zu einer Zeit, da Einstein seine Relativitätstheorie und den geheimnisvollen Zusammenhang von Masse und Energie in der berühmten Formel E=mc² beschreibt.

In allen Kulturen wird das Leben als Durchgang beschrieben, ein Streben zu höherer Vollkommenheit und Erkenntnis. Dafür steht „Das Licht“. Die Zeit um Allerheiligen bringt uns den Seelen nahe, die dieses Licht bereits sehen. Aber auch im Hier und Jetzt, mitten im Leben, durchleben wir immer wieder Durchgänge, in denen uns der „Herre Jesus Christus mit sein’r Lehr hell scheint und leucht“.

Die Werke des Konzertabends sprechen alle jene wunderbare Zuversicht aus, die uns im Licht Christus verheißen ist. Regers Nachtlied und Morgengesang, Brahms’ Altrhapsodie, Mendelssohns 95. Psalm und Fanny Hensels Lobgesang.

herbstkonzert 2011

Recklinghäuser Zeitung, 31.10.2011

Madrigalchor begeistert

WESTVIERTEL. (maku) Licht als Zeichen von Hoffnung und Zuversicht, als Zeichen göttlicher Gnade: Ein stimmungsvolles Konzert am Samstag in der Christuskirche stand unter dem Titel „Du höchstes Licht“.

Unter der Leitung von Lucius Rühl präsentierte der Madrigalchor mit der neuen Philharmonie Werke von Max Reger, Johannes Brahms, Felix Mendelssohn Bartholdy und Fanny Hensel. Solisten waren Ruth Weber, die mit ihrem Sopran überzeugte. Alexandra Rawohl (Mezzosopran) und Max Ciolek (Tenor) glänzten ebenfalls mit beeindruckenden Stimmen.

 

WAZ, 01.11.2011

Madrigalchor entzündet „höchstes Licht“

Musiker der NPW tragen mit ihrer Professionalität einen makellosen Chor-Abend in der Christuskirche

Recklinghausen. (Jörg Kolesza) Das Motto des Konzerts „Du höchstes Licht“ war einerseits gelungenes Programm. Auf der anderen Seite harmonierte es mit den warmen Tönen der wunderbar illuminierten Altstadt.

In der Christuskirche präsentierte der Madrigalchor unter Mitwirkung der Neuen Philharmonie Westfalen geistliche Musik. Die Textvorlagen von J.W.Goethe und aus der Bibel wirkten, im Einklang etwa mit romantischen Motiven, erstaunlich zeitlos.

Nachlässigkeiten gibt es an diesem Aebnd keine. Jedenfalls keine hörbaren. Die mit Sorgfalt ausgesuchten Vorträge ernteten bei vielen Zuhörern zum Ende Kommentare wie „schwungvoll, eingängig“ und sogar „wunderbar“. Etwas über 100 Besucher gibt der Veranstalter an. Leider ist nur das Mittelschiff ganz besetz.

Etwas über eine Stunde dauert das Programm mit den fünf kürzeren Chorwerken, dirigiert von Chorleiter Lucius Rühl. Es gibt keine Zugabe, was konsequent ist. Alles ist gebündelt auf einen präzisen Vortrag des rund 40-köpfigen Chores und der drei Solisten. Wobei das reduzierte Orchester der NPW den Chor mit seiner Professionalität trägt.

Bei „Nachtlied“ und „Morgensonne“, den beiden Lobpreisungen von Max Reger, intoniert der Chor, wie das gesamte Konzert über, fast ehrfürchtig. Die traurige und doch am Ende versöhnliche Alt-Rhapsodie (Op. 53) atmet bei den Ausführenden an diesem Abend all die unerfüllte Sehnsucht, die Johannes Brahms in die Komposition gelegt hatte. Es heißt, dass Brahms darin die unerwiderte Liebe zu Julie Schumann verarbeitet habe.

Die den Werken angemessene Ernsthaftigkeit ist besonders schön in Mendelssohns „95. Psalm“ zu spüren. Wobei die Sängerinnen und Sänger aber mit Freude und ohne seichtes Pathos agieren. Eine breite Palette an Ausdrucksfähigkeit strahlt der hervorragende Tenor Max Ciolek aus.

Einen schönen Abschluss bildete der „Lobgesang“ von Fanny Hensel, der älteren Schwester von Felix Mendelssohn Bartholdy. Die selten gespielten Kompositionen sollten öfter in den Konzertsälen erklingen. Dass diese einfühlsame Musik, zu den klug gewählten Bibelstellen, ihre Wirkung nicht verfehlte, ist an diesem Abend deutlich spürbar.


Aus dem Programmheft

„Du höchstes Licht“

Am Beginn des Konzertes stehen mit „Nachtlied“ und „Morgengesang“ zwei Stücke aus Max Regers Acht geistlichen Gesängen op. 138 für gemischten Chor, die im Jahr 1914 unmittelbar nach dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges komponiert wurden. Reger hat in seinen Liedern eine eng am Text orientierte Aussage geschaffen und in vollendeter harmonischer Ausge-wogenheit gestaltet. Es gilt, sich der Musik anzunehmen, sich Zeit zu nehmen für die Klänge und Harmonien.

Das Motto des Konzerts „Du höchstes Licht“ stammt aus dem „Morgengesang“ von Reger und geht wie dieser zurück auf ein Kirchenlied des evangelischen Pfarrers Johannes Zwick (1496-1542): Licht als Ausdruck menschlicher Hoffnung und Zuversicht, Licht als Zeichen göttlicher Gnade für einen guten Ausgang, dessen die Menschen besonders in dunklen Zeiten bedürfen.

Die Rhapsodie für eine Altstimme, Männerchor und Orchester op. 53 von Johannes Brahms greift diesen Wunsch nach Rettung und Erlösung durch den „Vater der Liebe“ auf.

Brahms, der ein schüchterner und verschlossener Mensch war und der sich selbst als „Abseiter“ bezeichnete, fiel es nicht leicht, seine Gefühle zu zeigen. Dafür diente ihm seine Musik. So auch in der Alt-Rhapsodie, deren Entstehung eine unerkannte tiefe Zuneigung zu einer jungen Dame und deren Heirat mit einem italienischen Grafen vorausgegangen waren. In diesem Werk, das sich auf drei Strophen aus Goethes Winterreise im Harz bezieht, identifiziert Brahms sich mit einem Menschen, der zutiefst einsam ist und sich verachtet und selbstunwert fühlt. Diesem gelingt es aber schließlich, in der Natur und in der Nähe zu Gott Ruhe und Trost zu finden.

Felix Mendelssohn Bartholdys Der 95. Psalm (op. 46) reiht sich ein die vielen Beispiele geistlicher Musik, die in seinem Schaffen einen bedeutenden Platz einnehmen und denen er sich mit besonderer Sorgfalt widmete. Psalmtexte inspirierten ihn während seines ganzen Schaffens.

Das Besondere dieser Psalm-Vertonung ist, dass es keinen reinen Chorsatz gibt, sondern dass sich Mendelssohn einer Mischung von Ausdrucksmitteln bedient, wobei Chor und Solopartien sich ständig abwechseln. Dabei zieht er alle Register wohlbewährter Techniken wie Fuge, Kanon und imitierende Polyphonie.

Die Kantate Lobgesang für Soli, Chor und Orchester von Fanny Hensel (1805- 1847), der Schwester von Felix Mendelssohn Bartholdy, ist zum Geburtstag ihres Sohnes Sebastian im Jahr 1831 komponiert worden und trägt die Widmung „Für Felix Ludwig Sebastian Hensel am ersten Jahrestag seiner Geburt von seiner Mutter“. Interessant und für den künstlerischen Weg von Fanny Hensel typisch sind die Vornamen des Sohnes, die an ihre großen Vorbilder erinnern sollen, nämlich an den eigenen Bruder (Felix), an Beethoven (Ludwig) und an Bach (Sebastian). Das Werk selber erscheint wie eine Hommage an J. S. Bach, sein Aufbau folgt dem einer kurzen Bach-Kantate.

Mit beiden Werken erklingt ein Lobpreis Gottes und ein Dank an ihn als dem Schöpfer der Welt und dem fürsorglichen Hirten und Retter seines Volkes.