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  • WAZ, 16.01.2001

Madrigalchor schlägt eine Brücke von Klassik zu Jazz
Gelungenes Konzert in der Aula des Petrinums

Der Madrigalchor schlägt Brücken, vom Jazz zur Romantik, von amerikanischen Swingballaden zu temperamentvollen Puszta-Klängen. Am Sonntag überzeugte das Ensemble um Lucius Rühl in der Aula des Petrinums.

Ein so opulentes, abwechslungsreiches und schwieriges Programm in einem Konzert anzubieten, erfordert ein besonderes Maß an Disziplin. Doch Lucius Rühl hatte die Vestival Voices und den Gesamtchor für diesen Abend glänzend vorbereitet.

Seit gut einem Jahr pflegt der Chor mit seinem Jazz-Ensemble Vestival Voices auch Pfade abseits klassischer Chormusik. Am Sonntag stellten die Sängerinnen und Sänger unter Beweis, zu welcher Reife sie es inzwischen gebracht haben.

Stücke voller Sehnsucht wie Home, Sweet Home oder mit zuckersüßer Bilderbuchromantik wie Christopher Robin is saying his prayer vereinten sich zu einem gefühlvollen Bilderbogen. Fast nostalgisch muteten die Melodien an, trafen sie vor allem Amerika in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts den Nerv der Menschen. Als ideales Bindeglied erwiesen sich dabei George Gershwins Preludes für Klavier, die Thomas Schäfer feinnervig zu interpretieren wusste.

Im zweiten Teil des Konzerts kam mit Johannes Brahms die ungarische Volksseele zum Klingen. Zigeunerlieder, Quartette und Liebeslieder gerieten zum spannenden Erlebnis zwischen sensibler Romantik und feurigem Temperament. Beim Auftritt des Gesamtensembles wucherte Lucius Rühl auch mit einem Pfund, das nur wenige Chöre aufweisen: Er ließ die wunderbar geschmeidig-lyrischen Tenorstimmen glänzen, ganz besonders bei Brahms‘ Liebesliedern.

Der Madrigalchor musste an diesem Abend bis an die Grenzen seiner Sangeskraft gehen, auch um die schlechte Akustik des Saals zu überwinden. Gleichwohl ein imponierender Auftritt. (Mö)

  • Recklinghäuser Zeitung, 17.01.2001

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