„Unterstützt durch das niederländische Jazz-Trio Round Midnight gelang dem Madrigalchor ein stimmungsvoller Streifzug durch die Klassiker des Swing.

(Zitat aus der Recklinghäuser Zeitung vom 16. März 2004)

pennies

  • Recklinghäuser Zeitung,16.03.2004

Himmels-Taler des Swing begeistern

KONZERT: Beifallsstürme für Madrigalchor im Festspielhaus

Der Titel war Programm: „Pennies from heaven“ nannte der Madrigalchor Recklinghausen sein Frühjahrskonzert im Kassiopeia-Saal des Festspielhauses. Wie im gleichnamigen Sinatra-Song, in dem sich Regentropfen in Himmels-Pfennige verwandeln, gelang es dem Chor unter Leitung von Lucius Rühl, bekannte Melodien in neue Gewänder zu kleiden.

von Ilka Bärwald

Für den passenden Groove sorgte das niederländische Jazz-Trio „Round Midnight“, bestehend aus Hans Kwakkernaat (Klavier), Bas Rietmeijer (Bass) und Ad von Zuijlen (Schlagzeug). Den Anfang machte der große Chor mit einem vertonten Limerick: „There was an old man in the tree“ erzählt in wenigen Zeilen die Geschichte eines Mannes, der von einer Biene gestochen wird und das verständlicherweise überhaupt nicht amüsant findet. Mit dem amerikanischen Traditional „Old McDonald had a farm“ verwandelte sich der Saal in einen großen Bauernhof mit all seinen grunzenden, muhenden und quiekenden Bewohner, an deren stimmlicher Imitation die Zuhörer sichtlich Spaß hatten.
Von den USA ging die musikalische Reise nach Europa. „Boleras Sevillanas“, ein andalusisches Volkslied, intonierte der Madrigalchor mitreißend und ausdrucksstark. Eher dem Jazz verschrieben haben sich die „Vestival Voices“, die etwas kleinere Ausgabe des großen Ensembles, und trugen mal a-capella, mal mit Trio-Unterstützung einige der schönsten Swing- und Jazz-Klassiker von Irving Berlin und John Gardner vor. „Puttin´ on the Ritz“ durfte dabei ebenso wenig fehlen wie „Rejection“ und „Blue Moon“. Seit 1996 sind die „Vestival Voices“ fester Bestandteil des Programms. Ihr vielseitiges Repertoire umfasst auch Gospels, Barbershop-Klänge und Pop-Klassiker. Doch auch der große Chor beeindruckte mit seiner Interpretation bekannter Jazz-Standards. „Night and Day“ von Cole Porter und „S´ wonderful“, ein Gershwin-Song aus dem Film „Ein Amerikaner in Paris“, brachten das Festspielhaus zum Swingen. Der langanhaltende Applaus galt nicht nur dem ausgezeichneten Ensemble, sondern auch dem spritzigen Trio „Round Midnight“, das mit seinen Jazz-Improvisationen wahre Begeisterungsstürme entfachte.

  •  WAZ, 16.03.2004

Unterstützt vom Jazz-Trio swingt auch der Madrigalchor

Ensemble wagt sich an ungewohnte Literatur – 300 Zuhörer

Chöre sind eher selten im Jazz und der Madrigalchor Recklinghausen widmet sich sonst vor allem der klassischen Musikliteratur. Mit seinem Programm „Pennies vom Heaven“ wagte sich das Ensemble dennoch an Jazziges. Das Ergebnis war ein schöner Abend im Festspielhaus.

Mit einem folkloristischen Hors d’Oeuvre aus Traditionals wie „Old Mc Donald had a farm“ oder dem andalusischen „Boleras Sevillanas“ eröffnete der Chor unter Leitung von Lucius Rühl seinen Vortrag. Lautmalerei und überraschende Wendungen klangen witzig und machten den Zuhörern Lust auf mehr.
Nun verbindet man die prägenden Elemente des Jazz, die Betonung des Rhythmischen und die Improvisation, nicht zwangsläufig mit dem Klangkörper „Chor“. Sie blieben denn auch weitgehend dem Trio „Round Midnight“ vorbehalten: Hans Kwakkernaat (Klavier), Bas Rietmeijer (Bass) und Ad van Zuijlen (Schlagzeug) brachten mit schwungvollen Standards zahlreiche Füße ins Wippen und bekamen den in Jazzkonzerten üblichen Zwischenapplaus nach gelungenen Soloeinlagen.
Auch dem Madrigalchor tat die instrumentale Unterstützung der Club-erfahrenen Niederländer gut. Sowohl der kleineren Besetzung („Vestival Voices“) aus jüngeren Chormitgliedern und Projektsängern wie auch dem großen Chor verliehen sie einen Anflug von jenem Schwung oder sogar Swing, von dem man sich mehr gewünscht hätte.
Doch der Chor kann seine Herkunft nicht ganz verleugnen. Auch Berlins „Putttin‘ on the Ritz“, Gershwins „‚S wonderful“ oder zum Finale das himmlische „Blue Moon“ von Hart/Rodgers/Blackwell blieben eher getragen, phasenweise beinahe klerikal.
Gleichwohl verdienten sich die Mitwirkenden ihren Applaus, für den sich Chor und Trio mit einer Zugabe bedankten – noch einmal „‚S wonderful“. Und so fand mancher der 300 Zuhörer auch dieses Konzert. (ezn)