weihnachtsoratorium-plakat

  • WAZ, 14.12.2004

Vitale Frische belebt alte Pracht und Herrlichkeit

Madrigalchor setzt konzertantes Glanzlicht im Advent

Im adventlichen Recklinghäuser Konzertreigen hat der Madrigalchor einen Glanzpunkt gesetzt. Dem Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach verlieh das hoch motivierte Ensemble in der Christuskirche bei aller Pracht und Festlichkeit einen Hauch vitaler Frische.

Schöne Sopranstimmen, glänzend besetzte Tenöre, weiche Alt und Bariton-Linien prägten den Auftritt des Chors in der Christuskirche, der schon im Eröffnungsjubel des „Jauchzet, frohlocket“ den ersten musikalischen Höhepunkt markierte. Die Sängerinnen und Sänger um Lucius Rühl präsentierten lupenreine Vokalkunst voller Dynamik mit zügigen Tempi und feinen Klangstrukturen.
Aus dem umfangreichen Weihnachtsoratorium standen sinnvoll gestrafft der erste und der dritte Weihnachtstag sowie das Fest der Erscheinung Christi auf dem Programm. Chor, Solisten und das feinnervig musizierende Ratinger Bachorchester fanden zu einem harmonischen Gesamtbild. Chorleiter Lucius Rühl setzte am Pult auf flottes Tempo, ohne dabei den lyrischen Ton und die feierliche Ausstrahlung des sakralen Werkes zu vernachlässigen. Die bestens präparierte Sangesgemeinschaft folgte dem Dirigenten mühelos. So wurde der beliebte Weihnachtsklassiker am Sonntagabend zum spannenden und ebenso bewegenden Musikerlebnis.
Bei den Solisten überzeugte Bariton Kay Stiefermann mit kraftvoll dynamischem Auftritt. Die lichte Tenorstimme des jungen Jens Zumbült gab den Rezitativen des Evangelisten besondere Innigkeit. Sopranistin Hedwig Voss bewies eindringlich Gestaltungskraft, Altistin Carmen Schüller agile Geschmeidigkeit. Das Ratinger Bach-Orchester lieferte dazu einen weichen und transparenten Instrumentalklang.
Ein vorweihnachtlicher Musikgenuss mit besonderer Atmosphäre.

 

  • Recklinghäuser Zeitung, 14.12.2004

Ergreifende Melodien bilden eine erhabene musikalische Architektur

Madrigalchor musizierte mit Ratinger Orchester Bachs Weihnachtsoratorium

„Jauchzet, frohlocket, auf preiset die Tage“ … die Worte sind so ewig-zeitlos wie Johann Sebastian Bachs Musik, die im Weihnachtsoratorium eine festliche Zeit nicht nur eröffnet, sondern vielmehr überhöht.

VON STEFAN PIEPER

In vollem Glanz ließ der Recklinghäuser Madrigalchor zusammen mit dem fabelhaften Ratinger Bachorchester das monumentale Werk in der Christuskirche erstrahlen. Lebendig und diszipliniert kam unter Lucius Rühl’s Gesamtleitung eine Interpretation zustande, die in jedem Moment zupackend und tief empfunden war.
Bachs Oratorium wurde ursprünglich keineswegs als zusammenhängender Zyklus komponiert, vielmehr setzt sich dieses Meisterwerk aus vielen Einzelkantaten unterschiedlicher, zuweilen auch weltlicher Provenienz zusammen. Selten werden alle sechs Teile aufgeführt und dennoch entsteht der Eindruck einer großartigen Geschlossenheit, die einer erhabenen Architektur gleich kommt.
In nicht selten ergreifendem Gestus legte der Chor hinreichend stimmliche Ausgewogenheit an den Tag, damit die Melodien im Innersten berühren konnten. Profunde Unterstützung leistete dabei das feinnervig agierende Orchester, dessen Spiel zuweilen ein großes facettenreiches Ganzes bildete -wenn nicht gerade empfindsames solistisches Tun gefragt war, etwa als die Sologeigerin allein eine Gesangsarie begleitete.
Und die Solisten erst! Mit Jens Zumbült, Tenor, füllte die Stimme eines wirklichen Ausnahmesolisten den Kirchenraum! Viele Stimmen von einer derart glockenhellen Leuchtkraft und ebensolcher Zartheit dürfte es kaum geben. Lupenrein ist Zumbülts Sprachverständlichkeit, perfekt dosiert die unaufdringliche Expressivität dieses Sängers!
Höchste Klasse hatten aber auch die anderen Solisten, HedwigVoss, Sopran, Carmen Schüller, Alt, sowie Kay Stiefermann, Bariton.